Georgien / Teil 1: Von München nach Chumlaki

Das lustige an meiner Reise nach Georgien ist, dass sie um ein Haar gar nicht stattgefunden hätte. Das habe ich übrigens meiner eigenen Dummheit zu verdanken, und lustig kann ich es auch nur im Nachhinein finden. Die Polizistin an der Passkontrolle am Flughafen München fand es jedenfalls gar nicht lustig, dass ich ohne eine offizielle Einverständniserklärung meiner Eltern ausreisen wollte. “Tja, ohne Dokumente endet Ihre Reise hier”, teilte sie mir mit einem schmalen Lächeln mit. Natürlich hätte ich daran denken müssen, schließlich verlasse ich ja die EU, schließlich fliege ich ja über Istanbul. Von dort aus könnte ich, noch minderjährig, ja sonstwo hinreisen. Da aber alle meine Flüge in letzter Zeit nach- oder von Norwegen aus gingen, wo es keine Passkontrolle gibt, habe ich an dieses Detail einfach nicht gedacht. Netterweise durfte ich dann doch noch meinen Vater anrufen, der – gottseidank –  den Anruf auch annahm und dann mit der Polizistin verhandelte. Am Ende waren wir wohl glaubwürdig genug, und ich durfte, sehr erleichtert, zu meinem Gate. Nach diesem ersten Schock waren es nur noch ein paar Minuten bis zum Boarding. Da ich mit Turkish Airlines flog, führte mich die erste Etappe meiner Reise eben nach Istanbul. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich erwarten würde – mit der Airline und dem zweistündigen Türkeiaufenthalt. Bis ich mein Boarding-Ticket in den Händen hielt, war ich mir noch nichtmal sicher, ob meine Ticketnummer überhaupt gültig ist. Ich hatte meinen Flug nämlich auf einer dieser Billig-Vergleichsseiten gebucht, denen ich ehrlich gesagt immer noch nicht ganz traue. Nachdem ich die Bewertungen verschiedener Billig-Anbieter und damit auch die Horrorgeschichten von gefakten, ungültigen Tickets gelesen hatte, entschied ich mich für Opodo. Diese Website wirkte von allen noch am seriösesten, und hatte einen aktiven Kundenservice, der auf jede Frage antwortete.  Im Nachhinein kann ich erleichtert sagen, dass alles geklappt hat, und ich die Seite wieder verwenden würde. :’)

Screenshot (3)
Falls sich jemand fragt, wo Georgien eigentlich genau liegt. Ich persönlich hatte keine Ahnung von diesem Land oder seiner geographischen Lage, bevor ich Mariam kennen gelernt hatte.

Zurück zu meinem Flug. Begleitet von fröhlich-dudelnder Musik bestiegen wir die Maschine. Alle paar Minuten erinnerte eine freundliche Frauenstimme auf türkisch, deutsch und englisch daran, während dem Verstauen des Handgepäcks nicht den Gang zu blockieren. Der Großteil der Passagiere war scheinbar auf dem Weg in die Türkei, und ich konnte eher wenige offensichtliche deutsche Touristen ausmachen. Die Sicherheitsanweisungen wurden hier nicht über Lautsprecher erklärt, wie es bei Scandinavian Airlines der Fall ist, sondern liefen in Form eines Videos auf kleinen Bildschirmen, die über jedem Sitz installiert waren. An dieser Stelle meinen Respekt an Turkish Airlines, die es geschafft haben, ihr Sicherheitsvideo “with a touch of magic” unterhaltsam zu machen.

(Es lässt sich sogar auf YouTube finden! https://youtu.be/9NqSg4dSBvI )

Das überraschendste für mich war wahrscheinlich das Essen. Für mich persönlich ist es lange her, dass ich in einem Flugzeug eine “richtige” Mahlzeit serviert bekommen habe. Bei SAS-Flügen von 1-2 Stunden bekommt man ein Heißgetränk, und wenn man Glück hat, ein Sandwich. Mein Flug nach Istanbul dauerte 2:10 Stunden, und es gab ein komplettes Menü mit Salat, Hauptgericht, Nachtisch und Getränk. Gut gestärkt landete ich also in Istanbul, wo ich feststellen durfte, dass man für internationale Anschlussflüge noch einmal durch die Security muss. Weg mit dem Wasser also, was ich mir in Deutschland noch aufgefüllt hatte, und nochmal dieselbe Prozedur mit Stiefel ausziehen etc. Da es draußen 30°C+ hatte und ich jetzt zwei Stunden überstehen musste, lautete meine erste Mission: Wasser. Ich tauschte also 5€ in türkische Lira und sah mich dann nach einem Geschäft um, das W-Lan anbot. Was ich nämlich verärgert feststellen durfte: im Flughafen Sabiha Gökçen gibt es es nämlich kein kostenloses Wifi. Nachdem ich also all mein Geld gleich wieder für einen Liter Wasser ausgegeben hatte, erkundigte ich mich bei dem Verkäufer nach dem Wlan-Code. Um dann zu erfahren, dass ich dafür nicht genug Geld ausgegeben hatte. 🙂

Die zwei Stunden überstand ich also auch ohne Internetanschluss, und machte mich dann auf den Weg zu meinem Gate. Während ich auf das Boarding wartete, bemerkte ich immer wieder den neugierigen Blick einer Dame, die mir gegenüber saß. Als sie sich mit ihrem Mann unterhielt, meinte ich, deutsche Wortfetzen zu verstehen, war mir aber nicht sicher. Irgendwann sprach ich sie dann an und fragte, ob sie aus Deutschland komme. Nein, wie ich erfuhr, leben sie und ihr Mann in Österreich, wobei er aus Georgien kommt. Jetzt werde er ihr zum ersten Mal sein Land zeigen. Die beiden waren super freundlich, und wollten wissen, was ich denn in Georgien mache. Ich erzählte, dass ich eine Freundin besuche. Woher ich denn eine Freundin in Georgien habe, wurde dann gefragt. Und so stand ich mal wieder vor der Aufgabe, UWC möglichst schnell und präzise zu erklären. Das Pärchen fand das Konzept super.

Mein Flug nach Tbilisi war der wahrscheinlich schönste Teil meiner Anreise. Während wir über die Türkei und dann über die Ukraine flogen, wurde es draußen langsam dunkel. Den Sonnenuntergang durfte ich dann während meinem Abendessen genießen, an einem Fensterplatz. Es war wunderbar.

 

Als ich in Tbilisi aus dem Flugzeug stieg, umhüllte mich sofort eine warme Abendluft. Ganz anders als in Deutschland. Ein Shuttle brachte uns zum Terminal, und wieder ging es zur Passkontrolle. Mein Pass bekam seinen ersten Stempel – whoop! – und ich durfte (wesentlich unkomplizierter als in Deutschland) die Kontrolle passieren.  Jetzt begann der eher anstrengende Teil meiner Anreise. Ich war nämlich nicht die einzige Person, die Mariam besuchen kam. Unsere Freundin Agnes, auch an unserem College, kam ebenfalls in diesem Zeitraum an. Allerdings nicht um 22:45, so wie ich, sondern um 4:00 Uhr morgens am nächsten Tag. Das bedeutete, dass ich meine nächsten acht Stunden in der Wartehalle des Flughafens Tbilisi verbringen durfte. Gegen 1 Uhr teilte Agnes uns mit, ihr Flug habe eine Stunde Verspätung, sie komme also erst um 5 Uhr an. Um 4 Uhr kam dann endlich Mariam mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester, um uns anzuholen. Gemeinsam warteten wir dann noch bis 6:30 Uhr, als Agnes mit ihren Eltern endlich aus der Gepäckhalle kam. Es war eine lange Nacht. Vor uns lag eine zweistündige Fahrt  zu Mariams Zuhause, Chumlaki.

Um 6:30 also verließ ich zum ersten Mal nach acht Stunden den Flughafen. Draußen ging gerade die Sonne auf und tauchte den Himmel in ein warmes Morgenlicht. So saß ich, zu meinem großen Unbehagen unangeschnallt (“You don’t need that in the back”) auf der Rückbank des kleinen Autos, während wir durch die georgische Landschaft fuhren. Ich war todmüde aber wollte gleichzeitig alle neuen Eindrücke aufsaugen, sodass ich meine Augen immer wieder aufriss, bis sie zufielen. In diesen Augenblicken sah ich dann in der Ferne Hügel, Weingärten, Berge von Wassermelonen und Nektarinen in kleinen Ständen, kaputte Autos und heruntergekommene Häuser am staubigen Rand der unebenen Straße.

Auch wenn Georgien geographisch gesehen noch zu Europa gehört, war das für mich schon eine andere Welt.

Schließlich kamen wir im kleinen Dorf Chumlaki an, in dem Mariam mit ihren Eltern im alten Haus der Großeltern wohnt. Das Haus wurde in den 50er Jahren gebaut, und hat eine wunderschöne Terrasse und viele Zimmer mit vielen Betten. Außerdem einen riesigen Garten, in dem alles von Gurken und Zwiebeln, über Nektarinen und Kirschen bis hin zu Mirabellen und Beeren aller Art selbst angebaut wird. Ein wahrer Luxus in dem Sinne.  Allerdings hat es keine Klimaanlage oder eine wirkliche Toilette. An Plumpsklos bin ich ja aus Schweden eigentlich schon gewöhnt, aber hier gab es eben wirklich nur ein Loch im Boden. Funktioniert ja auch.

Agnes und ich jedenfalls ließen uns erschöpft ins Bett fallen, und schliefen trotz der Hitze bald ein. Wie es mit unserem Georgien-Abenteuer weiterging, erfahrt ihr im 2. Teil dieser Blogeintrag-Serie. 🙂 

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